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KWS History: Stadtgeschichte Gütersloh – der »Pavenstädter Riesenbecher«

Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS History, 5.831 Views

#KWS #History: #Stadtgeschichte #Gütersloh – der »#Pavenstädter #Riesenbecher« – eines der ältesten Zeugnisse Gütersloher Geschichte

#Gütersloh, 20. Juli 2026

Lange bevor es Gütersloh gab, lebten bereits Menschen in der Umgebung von #Dalke und #Wapel. Zu den bedeutendsten archäologischen Funden der Region zählt der sogenannte »Pavenstädter Riesenbecher«, der auf ein Alter von rund 3.700 Jahren datiert wird. Er stammt aus der Übergangszeit zwischen #Jungsteinzeit und früher #Bronzezeit und gehört zu den ältesten bekannten Zeugnissen menschlicher Besiedlung im heutigen #Gütersloher #Stadtgebiet.

Ein außergewöhnliches #Gefäß

Seinen Namen verdankt der Fund seinem Entdeckungsort in Pavenstädt. Der Becher besteht aus gelblich gebranntem, grob gemagertem Ton und besitzt eine eingeritzte Verzierung, die sich vom weit geöffneten Rand bis zur kleinen Standfläche erstreckt.

Vor allem seine Größe macht ihn außergewöhnlich – Höhe rund 40 Zentimeter, Mündungsdurchmesser 32 Zentimeter, größte Bauchweite 30 Zentimeter, Bodendurchmesser 9 Zentimeter, Fassungsvermögen rund 12 Liter. Ein derart großes Gefäß ist für diese Epoche ausgesprochen selten. Bis heute ist in Westfalen kein unmittelbar vergleichbares Stück bekannt.

Die Entdeckung in der »Gütersloher Schweiz«

Bereits seit längerer Zeit interessierten sich #Archäologen für die #Dünenlandschaft östlich der Neuen Mühle entlang der Mündungsgebiete von Dalke und Wapel. Das Gebiet, das früher als »Gütersloher Schweiz« bekannt war, galt als vielversprechender Fundort vorgeschichtlicher Siedlungen.

Im Februar 1951 führte das damalige #Landesmuseum für #Vorgeschichte und #Frühgeschichte dort Probegrabungen durch. Die Leitung hatten der stellvertretende staatliche Vertrauensmann W. R. Lange sowie der Grabungsleiter Anton Doms von der Außenstelle #Bielefeld.

Zunächst verliefen die Untersuchungen eher enttäuschend. Zwar fanden sich einige Steingeräte und verzierte Gefäßscherben, eindeutige Hinweise auf eine #Siedlung – etwa #Pfostengruben von #Häusern – konnten jedoch nicht nachgewiesen werden.

Ein Zufallsfund

Erst später machte Anton Doms den eigentlichen Sensationsfund – und zwar eher zufällig. Bei einem erneuten Rundgang entdeckte er in einer #Sandgrube den Abdruck eines großen Gefäßes, rund 25 Zentimeter unterhalb der zuvor erreichten Grabungstiefe. Offenbar hatte kurz zuvor jemand unerlaubt Sand entnommen und dabei das Gefäß mit der Schaufel zerstört. Die Scherben lagen in zwei kleinen Haufen neben der Entnahmestelle.

Doms schilderte später, wie er den Abdruck des Gefäßes in der Sandwand erkannte und die verstreuten Scherben einsammelte. In mühevoller Kleinarbeit setzte er sie anschließend wieder zusammen. Ohne diesen glücklichen Zufall wäre der Fund vermutlich für immer verloren gewesen.

Ein Rätsel für die Archäologie

Die wissenschaftliche Einordnung des Riesenbechers erwies sich als schwierig. Sicher ist lediglich, dass er nicht zur bekannten mitteldeutschen #Schnurkeramik gehört.

Anton Doms vermutete vielmehr, dass das Gefäß zu einer eigenständigen westdeutschen Kulturentwicklung gehörte, die sich gegen Ende der Jungsteinzeit und zu Beginn der #Bronzezeit ausbreitete. Dieses Kulturgebiet reichte vermutlich über Teile Westfalens und Niedersachsens bis an den #Niederrhein, in die heutigen #Niederlande und sogar nach #Ostengland.

Gerade weil sich der Becher keiner bekannten Kulturgruppe eindeutig zuordnen lässt, besitzt er für die archäologische Forschung bis heute einen besonderen Wert.

Wo befindet sich der Becher heute?

Das Original des »Pavenstädter Riesenbechers« wird heute im Landesmuseum für Archäologie in #Münster aufbewahrt. Er gilt als einer der bedeutendsten vorgeschichtlichen Funde aus dem Raum Gütersloh und erinnert daran, dass die Geschichte menschlicher Besiedlung hier nicht Jahrhunderte, sondern Jahrtausende zurückreicht.

Der »Pavenstädter Riesenbecher« zeigt eindrucksvoll, dass die Landschaft an Dalke und Wapel bereits vor fast vier Jahrtausenden von Menschen genutzt wurde – lange bevor #Straßen, #Dörfer oder die #Stadt Gütersloh entstanden.

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